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Oxide

Schwefel bildet eine ganze Reihe von Oxiden, die sich z.T. von den ringförmigen Modifikationen herleiten lassen (Tabelle 23).

Tabelle 23: Oxidationszahlen verschiedener Schwefeloxide
Oxidationszahl    
$ <$+1 Polyschwefelmonoxide S$ _n$O n = 5 - 10
$ <$+1 Heptaschwefeldioxid S$ _7$O$ _2$
+1 Dischwefelmonoxid S$ _2$O
+2 Schwefelmonoxid SO
+2 Dischwefeldioxiod S$ _2$O$ _2$
+4 Schwefeldioxid SO$ _2$
+6 Schwefeltrioxid SO$ _3$
+6 Schefeltetraoxid SO$ _4$
+6 Polyschwefelperoxid (SO$ _{3-4}$)$ _n$

Die $ (SO)_n$ mit n=1,2 sind wenig beständig und zerfallen zu S und $ SO_2$. $ SO$ ist paramagnetisch wie $ O_2$ und $ S_2$. $ S_2O$ ist wie $ SO_2$ gewinkelt. $ SO_2$ entsteht bei Luftoxidation von Schwefel. Es wirkt reduzierend

$\displaystyle \stackrel {+4}SO_2 \longrightarrow \stackrel {+6}SO_2 + 2e
$

und bildet in Wasser schweflige Säure, $ H_2SO_3$. Da viele fossile Brennstoffe schwefelhaltig sind (vergl. Tab. 24), entsteht bei ihrer Verbrennung viel $ SO_2$, der für den sauren Regen verantwortlich ist. Durch Rauchgasentschwefelung von Kraftwerken konnten die $ SO_2-$Emissionen z.B. in der BRD innerhalb von 10 Jahren auf 30% gesenkt werden.


Tabelle 24: Schwefelgehalt verschiedener fossiler Brennstoffe in kg, bezogen auf die Brennstoffmenge mit dem Brennwert 1 GJ = 10$ ^9$J
Brennstoff Schwefelgehalt Brennstoff Schwefelgehalt
Steinkohle 10,9 Leichtes Heizöl 1,7
Braunkohle 8,0 Kraftstoffe 0,8
Schweres Heizöl 6,7 Erdgas 0,2

Abbildung 74: SO$ _2$-Emissionen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesamtemission betrug 1980 3,2$ \cdot$10$ ^6$t, 1989 0,96$ \cdot$10$ ^6$t. In dieser Zeit nahm die Gesamtemission um 70%, die durch Kraft- und Fernheizwerke verursachten Emissionen um 83%, die energiebedingten Emissionen der Industrie um 57% ab.
\input{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/xfig/al2_6_SO2-Emiss.pstex_t}

$ SO_3$ tritt normalerweise trimer als $ S_3O_9$ auf ( $ \Delta H^\circ = -126kJ mol^{-1}~$).

$\textstyle \parbox{.4\textwidth}{%
\input{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/xfig/al2_6_S3O9-sp3.latex}}$ $\textstyle \parbox{.4\textwidth}{S$^{**} \; \underbrace{\setlength{\tabcolsep}{...
...row\;\:$}\fbox{$\uparrow\;\:$}\\ 3d\\ \end{tabular}}_{\text{$\pi-$Bindungen}}$}$
Unterhalb von Raumtemperatur entsteht eine polymere Modifikation,

%
\input{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/xfig/al2_6_polyschwefels.latex}

die man als Polyschwefelsäure bezeichnet. Von Schwefel kennt man 4 einkernige und 7 zweikernige Oxosäuren, von denen man 5 in reiner Form isolieren kann (*) - (vergl. Tab. 25).


Tabelle 25: Sauerstoffsäuren des Schwefels
{
\setlength{\tabcolsep}{0.5ex}
\lsmall
\begin{tabular}{lrlrl}
\hline
{\bf O...
...ml aure \\
& & Peroxosulfate & & Peroxodisulfate \\
\hline
\end{tabular}}


Die Säurestärke wächst mit n ($ H_2SO_n$) und ist für die Dischwefelsäuren grösser als für die einkernigen bei gleicher Oxidationszahl für Schwefel. Obwohl die Reaktion

$\displaystyle SO_2 +1/2O_2 \longrightarrow SO_3 \qquad \Delta H^\circ = -99kJ mol^{-1}~
$

exotherm ist, ist die Reaktionsgeschwindigkeit unter Normalbedingungen praktisch gleich null. Da bei höherer Temperatur sich das Gleichgewicht wieder zum $ SO_2$ verschiebt, stellt man $ SO_3$ katalytisch nach dem Kontaktverfahren bei ca. 430$ ^\circ$C her:

$\displaystyle V_2O_5 + SO_2 \longrightarrow SO_3 + V_2O_4
$

und

$\displaystyle V_2O_4 + 1/2O_2 \longrightarrow V_2O_5
$

Da sich $ SO_3$ in Schwefelsäure besser löst als in Wasser, bildet man zuerst Dischwefelsäure,

$\displaystyle SO_3 + H_2SO_4 \longrightarrow H_2S_2O_7,
$

die dann leicht mit Wasser verdünnt werden kann

$\displaystyle H_2S_2O_7 + H_2O \longrightarrow 2H_2SO_4.
$


Konzentrierte Schwefelsäure ist stark wasserentziehend (Trockenmittel) und wirkt in der Hitze oxidierend.

Nie Wasser in $ H_2SO_4$ schütten, sondern vorsichtig die Säure ins Wasser geben !

Konzentrierte $ H_2SO_4$ mit gelöstem $ SO_3$ heisst Oleum. Die in Wasser gelöste Säure ist zweibasig und stark, also praktisch vollständig dissoziiert nach

\begin{displaymath}
\begin{array}{rll}
H_2SO_4 + H_2O \rightleftharpoons & H_3...
...arpoons & H_3O^+ + SO_4^{2-} & pK_s = + 1,96 \\
\end{array}
\end{displaymath}

Da sie auch sehr schwer flüchtig ist kann man mit ihr die meisten anderen Säuren aus ihren Salzen austreiben

$\displaystyle 2KNO_3 + H_2SO_4 \longrightarrow K_2SO_4 + H_2O + N_2O_5.
$

Durch Ersatz einer bzw. zweier OH-Gruppen an der Schwefelsäure entstehen

\begin{tabular}{p{12em}p{3em}p{12em}}
\rule{50pt}{0em}\parbox{40pt}{
\begin{pi...
...ex]
Halogenoschwefels\uml auren & und &
Sulfurylhalogenide. \\
\end{tabular}
Chlorsulfonsäure ist ein starkes Sulfonierungsmittel ($ HSO_3^-$, Sulfongruppe).

Peroxoschwefeloxide sind ähnlich gebaut, enthalten aber Peroxobrücken. Peroxomono- (Carosche Säure, $ H_2SO_5$) und Peroxodischwefelsäure, $ H_2S_2O_8$, sind sehr starke Oxidationsmittel.

\input{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/xfig/al2_6_peroxodischwefels.latex}
$ H_2SO_3$ und $ H_2SO_4$ bilden (Hydrogen-)Sulfite bzw. Sulfate, die Peroxosäuren Peroxosulfate. Durch Ersatz eines Sauerstoffatoms in der Schwefelsäure erhält man die Thioschwefelsäure. Nur ihre Salze, die Thiosulfate, sind bei Raumtemperatur stabil.
\input{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/xfig/al2_6_thiosulfat.latex}
Beim Verbrennen von Se entsteht $ SeO_2$, das unter Normalbedingungen eine polymere Struktur hat.

Abbildung 75: Struktur von SeO$ _2$.
a) Die Gasphase besteht aus SeO$ _2$-Molekülen mit Se=O Doppelbindungen.
b) Die kristalline Phase besteht aus polymeren, nichtplanaren Ketten. Alle Se-O-Bindungen haben Doppelbindungscharakter.
Bindungslängen: Se-O 183 pm; Se=O 160pm.
\input{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/xfig/al2_6_SeO2.latex}

$ SeO_3$ ist ein sehr starkes Oxidationsmittel, das $ SO_3$ in dieser Hinsicht bei weitem übertrifft. In Wasser bilden die beiden Oxide Selenige Säure, $ H_2SeO_3$, und Selensäure, $ H_2SeO_4$. $ TeO_2$ hat eine rutilartige Struktur und ist das Anhydrid der Tellurigen Säure, $ H_2TeO_3$. $ TeO_3$ ist ein äusserst starkes Oxidationsmittel und bildet mit $ H_2O$ Orthotellursäure, $ H_6TeO_6$. Wegen der Grösse von Te tritt eine sechsfache Koordination am Zentralatom auf.


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letzte Änderung: 2006-02-24