next up previous index
Nächste Seite: Halogenide Aufwärts: Verbindungen von P, As, Vorherige Seite: Verbindungen von P, As,   Index

Chalkogenide

Für die Oxide ist die reichhaltigste Chemie bei Phosphor zu finden

Element $ E_4O_6$ $ E_4O_7$ $ E_4O_8$ $ E_4O_9$ $ E_4O_{10}$
Phosphor $ \bullet$ $ \bullet$ $ \bullet$ $ \bullet$ $ \bullet$
$ \Delta H^\circ$ [ $ kJmol^{-1}$] -1641       -2986
Arsen $ \bullet$   $ \bullet$   $ \bullet$
$ \Delta H^\circ$ [ $ kJmol^{-1}$] -1314        
Antimon $ \bullet$   $ \bullet$   $ \bullet$
Bismut $ \bullet$        

$ \bullet$ = existiert

Viele dieser Oxide können in monomerer und in polymerer Form auftreten.

\includegraphics[width=1.0\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_POx}
$ P_4O_{10}$ ist eine der hygroskopischten Substanzen, die man kennt. Das Endprodukt der Reaktion mit Wasser ist Orthophosphorsäure, die über viele Zwischenstufen aus $ P_4O_{10}$ entsteht:
\includegraphics[width=1.0\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_Orthophosphors}
Auf diesem Wege bilden sich intermediär sehr viskose Metaphosphorsäuren als Zwischenprodukte. Auch konzentrierte $ H_3PO_4$ ist sirupös. Da $ H_3PO_4$ dreibasig ist, gibt es drei Reihen von Salzen
$ \overset{+1}{M}H_2PO_4$ Dihydrogenphosphate (primäre Phosphate)
$ \overset{+1}{M}_2HPO_4$ Hydrogenphosphate (sekundäre Phosphate)
$ \overset{+1}{M}_3H_2PO_4$ (Ortho)phosphate (tertiäre Phosphate)


Vernetzungen können durch H-Brücken und durch P-O-P-Brücken entstehen.

\includegraphics[width=0.8\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_P-O-P}

Durch Kondensationsreaktionen können solche intermolekularen Vernetzungen erhalten werden, bei denen immer nur Eckenverknüpfungen der $ PO_4-$Tetraeder auftreten.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die vielfältigen Sauerstoffsäuren des Phosphors.


Tabelle 13: Sauerstoffsäuren des Phosphors (Oxidationszahlen +1-+3)
\begin{table}
\begin{center}
\index{Phosphor!Sauerstoffs\uml auren}
\center...
...width]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_HPO1}
\end{center}
\end{table}



Tabelle 14: Sauerstoffsäuren des Phosphors (Oxidationszahlen +4-+6)
\begin{table}
\begin{center}
\centering\includegraphics[width=1\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_HPO2}
\end{center}
\end{table}


In wässriger Lösung dissoziiert die P-O-Bindung nicht und die P-H-Bindung ist nicht titrierbar. Phosphin- und Phosphonsäuren haben also eine geringere Basigkeit als aus ihrer Protonenzahl abzulesen ist. Diphosphorsäure, $ H_4P_2O_7$, dagegen ist eine vierbasige Säure. Phosphinsäure erhält man durch Disproportionierung von $ P_4$

$\displaystyle P_4 + 6H_2O \longrightarrow PH_3 + 3HPH_2O_2.
$

Beim Erhitzen auf 130 bis 140$ ^\circ$C disproportioniert sie zu Phosphonsäure, $ H_2PHO_3$. Phosphonsäure ist ein starkes Reduktionsmittel, mit dem z.B. Ag aus $ Ag^+-$Lösung gefällt werden kann. Weiteres Erhitzen führt bei 200$ ^\circ$C zu Phosphorsäure

$\displaystyle 4H_2PHO_3 \longrightarrow 3H_3PO_4 + PH_3
$

Phosphate werden extensiv zu Düngezwecken eingesetzt. Dazu muss das unlösliche $ Ca_3(PO_4)_2$ aufgeschlossen werden.

$\displaystyle Ca_3(PO_4)_2 + 2H_2SO_4 \longrightarrow Ca(H_2PO_4)_2 + 2CaSO_4
$

Fast Zweidrittel der Weltproduktion an Schwefelsäure werden zur Herstellung dieses Produktgemisches eingesetzt, das Superphosphat heisst. Unter Einsatz von Phosphorsäure erhält man Doppelsuperphosphat

$\displaystyle Ca_3(PO_4)_2 + 4H_3PO_4 \longrightarrow 3Ca(H_2PO_4)_2,
$

das auch mit Beimengungen von Carbonaten ein komplett lösliches Produkt ergibt

$\displaystyle CaCO_3 + H_3PO_4 \longrightarrow Ca(H_2PO_4)_2 + CO_2 + H_2O
$




$ As_2O_3$, Arsenik, ist eine sehr giftige Verbindung (0.1g wirken auf den Menschen letal), die mit Wasser Arsenige Säure, $ H_3AsO_3$, bildet. Der Energieunterschied zwischen der molekularen und der polymeren Form von $ As_2O_3$ ist sehr klein. Reduktionmittel wie $ Sn^{2+}$ fällen elementares Arsen aus wässriger $ H_3AsO_3-$Lösung. Mit Iod tritt Oxidation zur Arsensäure, $ H_3AsO_4$, auf. In $ HCO_3^-$-gepufferter Lösung kann Arsen quantitativ über iodometrische Titration bestimmt werden. Auch $ Sb_2O_3$ tritt dimorph in mono- und in polymerer Form auf. Im basischen Medium entstehen Antimonate(III) wie $ NaSbO_2$ und im sauren Antimon(III)-Salze wie $ Sb(NO_3)_3$ (Amphoterie). Bei Einwirkung starker Oxidationsmittel erhält man $ Sb_2O_5$, das ebenso wie $ Sb_2O_3$ bei 800$ ^\circ$C zum gemischtvalenten Oxid übergeht

$\displaystyle Sb_2O_5 \longrightarrow Sb_2O_4 \longleftarrow Sb_2O_3.
$

$ Bi_2O_3$ ist selbst basisch und löst sich nicht in starken Basen, sondern fällt aus. In starken Säuren bilden sich Salze wie $ Bi(NO_3)_3$, die in Wasser zu basischen Salzen wie $ BiONO_3$ hydrolysieren. $ \stackrel {+5}{Bi}$ kann nur schwer, aber z.B. in Form von Bismutaten(V) wie $ KBiO_3$ und $ Na_3BiO_4$ isoliert werden.

Bei den Schwefelverbindungen findet man ähnliche Verhältnisse wie bei den Oxiden. Die Reichhaltigkeit der Verbindungen nimmt zum Bismut hin ab.

Binäre Sulfide der Art $ P_4S_n$ (n=3 - 10) sind beständige Verbindungen, in denen $ \stackrel {+3}P$ und $ \stackrel {+5}P$ auftreten kann mit einer entsprechenden Zahl endständiger Thionylgruppen.

Abbildung 63: Struktur der Phosphorsulfide P$ _4$S$ _n$ (n=3 - 10).
\includegraphics[width=1.0\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_PS}

Bei Arsen findet man vergleichbare Schwefelverbindungen; allerdings fehlen die Formen mit E=S -Doppelbindungen (n=7,8,9). Die frisch gefällten Sulfide, $ Sb_2S_3$ und $ Sb_2S_5$, sind orangerote Substanzen, die sich ebenso wie die entsprechenden Arsenverbindungen mit Sulfidüberschuss zu Thioarsenaten bzw. Thioantimonaten lösen. Das braune $ Bi_2S_3$ reagiert im Gegensatz zu den ersteren Sulfiden nicht sauer und bildet keine Thiobismutate.


next up previous index
Nächste Seite: Halogenide Aufwärts: Verbindungen von P, As, Vorherige Seite: Verbindungen von P, As,   Index
CCI The Creative Chemistry on the Internet
letzte Änderung: 2006-02-24