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N-H-Verbindungen

Ammoniak (Azan), $ NH_3$, riecht stechend, schmilzt bei -78$ ^\circ$C , siedet bei -33$ ^\circ$C  und reagiert mit $ H_2O$ zur Base $ NH_4OH$ ($ pK_B$=4.75).

Das Molekül hat eine pyramidale Struktur ($ \alpha$ = 107$ ^\circ$C ).

Abbildung 60: Energieprofil der NH$ _3$-Inversion
\includegraphics[width=.8\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_profil_NH3}

Ammoniak (Azan) kann autoprotolytisch mit sich selbst reagieren nach

$\displaystyle 2NH_3 \longrightarrow NH_4^{~+} + NH_2^{~-}
$

Beim Lösen von Metallen in flüssigem (Alkalimetalle) oder überkritischem $ NH_3$ (viele andere Metalle)

können zunächst solvatisierte Elektronen stabilisiert werden

$\displaystyle M \rightleftharpoons M^+_{solv} + e^-_{solv}.$ (2)

Bei nicht allzu tiefen Temperaturen erfolgt nach und nach Wasserstoffentwicklung

$\displaystyle NH_3 + e^-_{solv} \longrightarrow NH_2^{~-} + 1/2H_2.
$

(Diese Reaktion ist in $ H_2O$ sehr schnell).


Die gebildeten Metallkationen könen zu Amiden

$\displaystyle NH_2^{~-} + M^+ \longrightarrow MNH_2
$

und bei erhöhter Temperatur zu Imiden

$\displaystyle \stackrel {+2}M(NH_2)_2 \longrightarrow \stackrel {+2}MNH + NH_3
$

bzw. schliesslich zu Nitriden umgesetzt werden

$\displaystyle NH_3 + M \longrightarrow \stackrel {+3}MN + 3/2H_2.
$

$ NH_3$ löst sich mit 772:1 sehr gut in Wasser. Aus den Amid-, Imid- und Nitridanionen entsteht mit protischen Lösungsmitteln $ NH_3$. Die Wasserstofverbindungen von Stickstoff werden allgemein wie folgt benannt

N$ _n$H$ _m$ Mono- Di- Tri- Tetra- Summen-
  ( $ n$ = 1) ( $ n$ = 2 ) ( $ n$ = 3 ) ( $ n$ = 4 ) formel
-azan NH$ _3$ N$ _2$H$ _4$ N$ _3$H$ _5$ N$ _4$H$ _6$ N$ _n$H$ _{n+2}$
-azen NH N$ _2$H$ _2$ N$ _3$H$ _3$ N$ _4$H$ _4$ N$ _n$H$ _n$
-azadien - - N$ _3$H (N$ _4$H$ _2$)$ ^*$ N$ _n$H$ _{n-2}$

Massenspektrometrisch nachgewiesen; Struktur unbekannt



Die Endungen -an und -en haben dieselbe Bedeutung wie bei Kohlenwasserstoffen.


Hydrazin (Diazan) kann u.a. durch Oxidation von Ammoniak erzeugt werden

$\displaystyle 2NH_3 + 1/2O_2 \longrightarrow H_2N-NH_2 + H_2O \quad \Delta H^\circ = 50kJ mol^{-1}~
$

Die metastabile, farblose Flüssigkeit raucht an Luft und verbrennt unter sehr grosser Wärmeentwicklung (Raketentreibstoff)

$\displaystyle N_2H_4 + O_2 \longrightarrow N_2 + 2H_2O \qquad \Delta H^\circ = -623kJ mol^{-1}~.
$

Wässrige Lösungen sind relativ stabil. Man kann es als Addukt der Schwefelsäure isolieren, $ (N_2H_4)(H_2SO_4)$.

Abbildung 61: Cis-trans Energieschema für Hydrazin
\includegraphics[width=1.0\textwidth]{/usr/edu/lector/vorlesung_al2/pic/al2_51_cis_trans_Hydrazin}

Wird $ N_2$ noch schwächer reduziert bzw. $ N_2H_4$ leicht oxidiert

$\displaystyle N_2H_4 + H_2O_2 \longrightarrow HN=NH + 2H_2O,
$

so erhält man Diimin (Diazen). Diimin ist die Muttersubstanz zu allen Azoverbindungen.

Stickstoffwasserstoffsäure, $ HN_3$, ist eine explosive Füssigkeit, die man aus ihren Salzen, den Aziden, herstellen kann nach

$\displaystyle NaNH_2 + N_2O \longrightarrow NaN_3 + H_2O
$

und

$\displaystyle NaN_3 + H_2SO_4(verd.) \longrightarrow H-N-N=N + NaHSO_4.
$

Das Azidion ist symmetrisch aufgebaut.





Die Azide sind i.d.R. sehr leicht explosiv! Durch Zersetzung von $ HN_3$ entsteht Nitren

$\displaystyle H-N-N=N \longrightarrow HN + N_2 \qquad \Delta H^\circ = 38kJ mol^{-1}~.
$


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letzte Änderung: 2006-02-24