Einzähnige Liganden bilden mit wenigen Ausnahmen schwache, labile Komplexe mit kleinen Komplexbildungskonstanten. Dagegen bilden mehrzähnige Liganden (Chelatliganden) stabilere Komplexe. Diesen Befund nennt man Chelateffekt, welcher sich auf entropische Gründe zurückführen lässt.
Da Metallionen sehr oft die Koordinationszahl sechs aufweisen, ist
EDTA mit
sechs Ligandatomen, die fünf Chelat-Fünfringe bilden, ein günstiger
Komplexbildner. Die mit EDTA erhaltenen Stabilitätskonstanten zeigen,
dass bereits mit Erdalkalimetallionen die Werte zwischen
und
liegen,
während zweiwertige Übergangsmetallionen, wie auch dreiwertige
Lanthanide, Werte von mehr als
erreichen.
In den meisten Fällen
zeigt es sich, dass EDTA eine günstige Verbindung für die
volumetrische Bestimmung von Metallionen ist.
Bei dieser Methode wird ein
Metallion mit einer EDTA-Lösung titriert, wobei sich folgendes
Gleichgewicht einstellt:
Ein Puffersystem sorgt für die Aufnahme der freigesetzten
Ionen.
Bei einer
genügend grossen Stabilitätskonstanten ist dann zu erwarten,
dass am Endpunkt eine grosse Änderung der
Konzentration
stattfindet. Diese wird mit einem angezeigt,
dessen Farbe sich ändert (Farbumschlag).
Der Metallindikator
bildet mit
Ionen einen
Komplex, dessen Farbe sich wesentlich von der des
protonierten Indikators
bei gleichem pH-Wert unterscheidet.
Der Komplex
ist
unter den verwendeten Bedingungen weniger stabil als
,
womit am Endpunkt die folgende Reaktion eintritt:
Beispiele sind:
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Arbeitspunkt |
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rot | pH = 10 | blau |
|
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rot | pH = 12 | violett |
Da Metallindikatoren auch pH-Indikatoren sind, müssen die
pH-Bedingungen strikt eingehalten werden.
Die verwendeten Puffersysteme
enthalten oft Liganden (z.B.
), die durch teilweise
Komplexbildung die Hydrolyse von Metallionen und damit die Bildung von
schwerlöslichen Hydroxiden verhindern.
ist eine Base, die bei
ein Proton,
bei
das zweite,
bei
das dritte und bei
das vierte Proton
aufnimmt:
Damit nimmt die Konzentration an
durch Verringerung des
pH-Wertes stark ab:
| pH | 11 | 10 | 9 | 8 | 7 | 6 | 5 | 4 | 3 |
| lg |
0.07 | 0.45 | 1.3 | 2.3 | 3.3 | 4.7 | 6.5 | 8.4 | 10.6 |
Bei pH = 4 ist die Konzentration von
durch Protonierung
8.4 Grössenordnungen kleiner als bei pH = 11.
Bei einem pH-Wert von vier findet also bei
(
)
schon eine
teilweise Dissoziation des Komplexes statt, während bei
(
) eine komplexometrische Titration immer noch zu
korrekten Ergebnissen führt, sofern ein geeigneter Indikator verwendet
wird.
titriert man oft bei
pH = 5 komplexometrisch, wobei Xylenolorange als Indikator verwendet
wird.