Chemische Verbindungen werden in Form von chemischen Formeln
dargestellt.
Chemische Reaktionen, also chemische Stoffumsetzungen, werden
als Gleichungen zwischen chemischen Verbindungen dargestellt.
Die Formel gibt die Summe der in einer Verbindung enthaltenen
chemischen Elemente an.
Dabei wird nach steigender Elektronegativität sortiert.
Es gibt Fälle, in denen eine Formel für eine bestimmte Verbindung
angegeben wird, welche wenig mit der tatsächlichen Struktur zu tun hat.
Als Beispiel sei hier Borax genannt, dessen Formel
oder besser
nichts über die Zusammensetzung des in dieser festen Verbindung
vorliegenden Tetraboratanions
aussagt.
Die Formel für
Borax sollte also besser
lauten.
Die Formel
lässt vermuten, dass zehnwertiges Arsen vorliegt,
was unmöglich ist.
Eine gute Beschreibung für diese Verbindung, in der das
Dioxygenylkation
vorliegt, ist
.
Die Mennige,
, enthält kein Blei in der Oxidationsstufe
, sondern wird besser als
beschrieben.
Wichtige chemische Gruppierungen von Atomen (Moleküle, Komplexe, Cluster bzw. spezielle Teilstrukturen) können separat geklammert werden.
Mit der chemischen (Reaktions-)Gleichung werden Ausgangsstoffe (Edukte) und Endstoffe (Produkte) quantitativ miteinander in Beziehung gesetzt:
Die Reaktion von Schwefelwasserstoff (
) mit
Schwefeldioxid (
)
z.B. liefert Schwefel (
, Kronenschwefel) und
Wasser (
):
Die Molzahlen (Stöchiometriezahlen) der beteiligten (Elemente
und) Verbindungen müssen so gewählt werden, dass jede Atomsorte
gleichhäufig auf der linken und auf der rechten Seite der Gleichung
auftritt.
Das gilt auch für Ladungen, sodass deren Summen auf der linken und und der rechten Seite gleich sind.
Die meisten Reaktionen können in Halb- oder Teilgleichungen aufgespalten werden, wie
die einen oder mehrere wesentliche Aspekte der Gesamtreaktion
beschreiben.
Die Teilreaktion
der Silberbaum-
Reaktion muss vollständig lauten:
Man spaltet z.B. in Teilreaktionen auf, um den Erhalt von Atomen und Ladungen leichter überprüfen zu können.
Ausserdem können quasi unabhängig zu betrachtende Prozesse,
wie z.B.
Elektrodenreaktionen separat formuliert werden.
Die Teilreaktionen können addiert werden.
Treten keine Ladungen auf, so spricht man von Stoffgleichungen,
sonst von Ionengleichungen.
In letzteren werden nur die reagierenden Spezies aufgeführt.
In derselben Weise können die im nächsten Kapitel angeführten Reaktionen in Ionengleichungen umgeschrieben werden:
Das Ausfallen einer festen Phase wird gewöhnlich durch Einführung
von (s) für solidus gekennzeichnet.
Dem Chemiker stehen somit bei der Diskussion von Reaktionen
mehrere Schreibweisen für ein und dieselbe
Reaktionsgleichung zur Verfügung.
Die Neutralisation von Salzsäure mit Natronlauge
in wässriger Lösung z.B. kann man wie folgt formulieren:
Andere Möglichkeiten sind:
Welche Notation man wählt, wird
davon abhängen, welchen Teilaspekt der Reaktion man näher
herausheben möchte.
Durch die Schreibweise
wird betont, dass das
Wasserstoffion in Wasser hydratisiert vorliegt. Dabei sollte aber nicht
vergessen werden, dass alle Teilchen in wässriger Lösung
hydratisiert vorliegen, womit die dritte Formulierung die eigentlich
sinnvollste ist.
In allen drei Gleichungen wurden die Natrium- und die Chloridionen weggelassen, weil diese durch die Reaktion nicht betroffen sind.
Man unterscheidet zwei Grenzfälle:
Man kann dies wie in den Abbildungen 2 veranschaulichen.
Beispiele:
|
Dabei wird klar, dass es zwischen den Grenzfällen eines kompletten Übertrags von Valenzelektronen zwischen den äusseren Schalen der Atome A und B, nämlich dem ideal ionischen Fall,
z.B. bei
eine grosse Zahl von intermediären Fällen geben kann, bei denen
ein unvollständiger Ladungsübertrag
stattfindet:
![]() |
Die wahren Ladungen, man spricht von effektiven Ladungen,
in NaCl sind etwa bei
=0.75. Also liegen
und
-Ionen vor.
Ein positiv geladenes
-Ion kann also genauso stark
Elektronen anziehen wie ein negativ geladenes
-Ion,
nämlich wenn
= 0.75 ist.
|
Verbindungen, bei denen der Ladungsübertrag
relativ gross ist, werden nach dem Konzept der formalen Ladungen
behandelt.
Man nennt sie Ionenverbindungen.
Es gibt keine Verbindung mit
vollständigem effektiven Ladungsübertrag. Der vollständige
Ladungsübertrag ist ein formales Konzept (formale Ladungen),
das sich
aber als überaus erfolgreich erwiesen hat.
Dieser Erfolg ist nicht zufällig, sondern er kann heute auf
quantenmechanischer Basis erklärt werden.
Verbindungen, bei denen der effektive Ladungsübertrag relativ
klein ist, werden als kovalente Verbindungen bezeichnet, auch wenn der
effektive Ladungsübertrag nicht gleich null ist.
Man spricht im letzteren Fall von
polarisierten kovalenten Bindungen.
Obwohl es also keine wirkliche Grenze zwischen kovalenten und ionischen
Verbindungen gibt, hat sich die Einteilung als sehr wirksames
Klassifikations- und Arbeitskonzept bewährt.
Um die Vielfalt der möglichen chemischen Reaktionen überblicken
zu können, teilt man diese in Gruppen ein. Man unterscheidet dabei
zwischen folgenden Reaktionstypen:
Wenn die Reaktion der zwei Ausgangsstoffe (Edukte) A und B unter sehr
grossem Energiegewinn
stattfindet, z.B.
dann kann sie unter denselben Bedingungen nicht umgekehrt werden, was man
durch die Richtung des Reaktionspfeiles angibt.
Reaktionen, die spontan bei gegebenem
Druck und gegebener Temperatur in die gewünschte Richtung
ablaufen können,
zeigen eine negative Reaktionsenergie
und werden als
exergonisch bezeichnet.
Solche, für die das Umgekehrte gilt, werden als
endergonisch bezeichnet (
).
Obwohl bei 600
C eine
Boltzmannverteilung von heisseren und kälteren
-Molekülen
vorliegt, ist die Chance, dass eines davon so heiss wird, dass es wieder
dissoziiert
äusserst gering.
Bei 2000
C hingegen treten beide Reaktionsarten mit recht grosser
Häufigkeit bzw. Wahrscheinlichkeit auf - es entsteht ein dynamisches
Gleichgewicht zwischen den Teilreaktionen, was durch einen Doppelpfeil
angegeben wird:
Allgemein bezeichnet man diese Situation als chemisches Gleichgewicht
oder wenn man mit A und B keine Elemente sondern Moleküle aus mehreren Atomen bezeichnet:
Die Lage des Gleichgewichtes hängt also von der Temperatur, aber auch
vom Druck ab.
Theoretisch ist jede chemische Reaktion (Hinreaktion)
umkehrbar (Rückreaktion).
Man bezeichnet dies als Prinzip der mikroskopischen Reversibilität.
Sinnvollerweise wird dies jedoch nur
dann berücksichtigt, wenn beide Teilreaktionen mit genügend grosser
Häufigkeit auftreten.
Das dynamische Gleichgewicht von zwei chemischen
Reaktionen führt zu keinem Nettostoffumsatz, und es wird deshalb keine
Reaktionsenergie gebildet.
|
|
Für alle chemischen Gleichgewichte gilt
= 0.
Werden bei einer ungestörten Reaktion die Edukte scheinbar komplett
verbraucht, so ist kein nennenswertes Gleichgewicht vorhanden.
Die Konzentrationen von Edukten ([A], [B]) und Produkten ([C], [D]) können also dafür benutzt werden, den Grad des chemischen Gleichgewichtes zu definieren:
Diese Gleichung wird als Massenwirkungsgesetz bezeichnet und wurde
erstmals von dem norwegischen Mathematiker
C. M. Guldberg und dem norwegischen Chemiker
P. Waage im Jahre 1867 aufgestellt.
Man sieht leicht ein, dass die Lage des chemischen Gleichgewichtes und
damit die Grösse von K von der Temperatur abhängt
(s. Gl. 2
).
Die Gleichgewichtskonstante
hat für gegebenen Druck und gegebene
Temperatur für jede Reaktion, allgemein
einen charakteristischen Wert
Für jede Reaktion besteht also ein Konzentrationsverhältnis,
das bei unveränderten Zustandsvariablen Druck und Temperatur
unabhängig ist von Einzelkonzentrationen.
Der Index c steht für Konzentration.
Werden Drucke (p) in das
Massenwirkungsgesetz als Konzentrationsangabe eingesetzt, so heisst die
Konstante K
.
Zwischen der freien Reaktionsenthalpie und der Massenwirkungskonstanten besteht ein einfacher Zusammenhang:
Ausserdem hängen Druck und Konzentration bei Gasreaktionen wie folgt zusammen:
Ausserdem wirkt das Prinzip des kleinsten Zwanges nach Le Chatelier und Braun:
Angenommen eine Lösung von
wird mit einer bekannten Menge
einer
-Lösung bei gegebenen pH-Wert versetzt.
Es können nun Fragen wie die folgenden gestellt werden:
Einfachshalber wird die Reaktionsgeschwindigkeit nicht berücksichtigt
und angenommen, dass sich das System in chemischem Gleichgewicht befindet.
Zur Lösung dieses Problems benötigen wir die Kenntnis der Gleichgewichtskonstanten folgender Reaktion:
Die Gleichgewichtskonstante
lässt sich aus den Standardreduktionspotenzialen
berechnen.
Standardreduktionspotenziale sind
tabellierte Werte, mit deren Hilfe entschieden werden kann,
ob und unter welchen Bedingungen eine Redoxreaktion abläuft.
Ähnliche Fragestellungen findet man bei Säure-Base-, Komplexbildungs- und Fällungsreaktionen. Die benötigten Gleichgewichtskonstanten für diese Reaktionen sind oft bekannt. Andernfalls können die oben erwähnten Standardreduktionspotenziale entsprechenden Tabellen entnommen werden. Das heisst, eine quantitative Berechnung ist fast immer möglich.
Bei der Angabe der Konzentrationen können verschiedene Einheiten verwendet werden, welche bezogen auf wässrige Systeme nachfolgend eingeführt werden:
Löslichkeitsangaben werden oft auf 100 g Wasser bezogen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass die Verwendung bestimmter Einheiten nicht selten von ihrer speziellen Anwendung abhängt.