Die Energie, die benötigt wird, um ein Elektron von einem Atom ins
Vakuum zu entfernen wird als Ionisierungsenergie IE bzw. als
Ionisierungspotenzial
bezeichnet. Angefangen beim Elektron mit höchster Energie spricht
man von erster, für das nächste von zweiter Ionisierungsenergie usw.
Im Periodensystem findet man folgenden generellen Trend:
Aber es gibt auch wieder einige Unregelmässigkeiten, die mit
halb gefüllten Elektronenschalen zu tun haben:
Ionisierungsenergie(N) = 1.402
Ionisierungsenergie(O) = 1.314 [MJ mol
!
| Merke: Die Abgabe von Elektronen (Ionisierung) hat nichts mit dem inversen Aufbauschema zu tun ! |
Für Übergangselemente gilt, dass als erstes die s-Elektronen abgegeben werden :
Mit Ausnahme von
und
kann man für alle Übergangselement und
Seltenerdmetall die Oxidationszahl +2 erhalten.
Auch höhere Oxidationsstufen können man erhalten werden, i.d.R. am Anfang jeder Reihe einfacher als am Ende.
Der Unterschied zwischen Auffüllschema und Herausnehmen von Elektronen
bei der Ionisierung kommt daher, dass es sich um zwei völlig
verschiedene Prozesse handelt:
Beim Auffüllen nimmt die effektive Kernladung
, d.h. der Anteil
der Kernladung, der noch auf die äusseren Elektronen wirkt, nur
allmählich bis zum Erreichen der vollen Schale zu.
Bei der Ionisierung wird der Ladungsausgleich im Atom gestört und
nimmt stark zu. Damit ändern sich die
energetischen Orbitalabfolgen.
|
Koopmanns Theorem:
|
Die Energie, die frei oder gebraucht wird, um ein Elektron auf ein
Atom zu übertragen, heisst Elektronenaffinität EA.
Die Elektronenaffinität ist aus historischen Gründen umgekehrt zur üblichen
Weise der Energieangabe definiert:
EA
0
exotherme Elektronenaufnahme
EA
0
endotherme Elektronenaufnahme
Man kann die Elektronenaffinität auch als die Ionisierungsenergie des zugehörigen Anions bezeichnen:
Im Periodensystem findet man etwa folgenden generellen Trend für die Elektronenaffinität:
Aber auch hier gibt es wieder Unregelmässigkeiten zu beachten, die mit halb- bzw. gefüllten Schalen, aber auch mit den Atomgrössen zu tun haben:
| EA(P) | = | 71 | kJ mol |
EA(F) | EA(Cl) | |
| EA(S) | = | 200 | kJ mol |
EA(O) | EA(S) | |
| EA(Si) | = | 132 | kJ mol |
EA(N) | EA(P) |
Das liegt daran, dass bei nicht komplett gefüllten Elektronenschalen
die Elementen die Kernladung nicht komplett abschirmen können.
Ausnahmen:
| He, Ne, Ar, Kr, Xe, Rn | |
| Be, Mg, Ca, Sr, Ba | |
| N | |
| Sc | |
| Hf | |
| Mn | |
| Zn, Cd, Hg |
|
Elektronen in weiter aussen liegenden Schalen schirmen nur zu
80%bzw. 30% ab.
Die effektive Kernladung kann mit Hilfe der Slater-Regeln
abgeschätzt werden:
Dabei wird das Elektron,
für das die Abschirmung ermittelt werden soll, nicht
mitgerechnet (im Beispiel das 5s-Elektron).
Beispiel:
Berechnung der Abschirmung für ein 4s-Elektron in
:
Elektronenkonfiguration:
![]()
(Genauere Werte für die Abschirmung findet man bei CLEMENTI & RAIMONDI, J.Chem. Phys. 38 (1963) 2686)
| Fazit: Valenzelektronen schirmen schlecht ab. |
Slater hat die Orbitalformen so vereinfacht, dass
Slater-Orbitale sind so vereinfacht, dass sie nur den für die
Chemie wichtigen Valenzbereich richtig beschreiben.
Slater-Orbitale gehören zu den Pseudoorbitalen, auf die ein
für bestimmte Fragestellungen optimiertes Pseudopotenzial wirkt
(
Pseupotenzialverfahren).
Zunahme des Atomradius mit n:
| Atom | H | Li | Na | K | Rb | Cs |
| 1.0 | 1.3 | 2.2 | 2.2 | 2.2 | 2.2 |
Abnahme des Atomradius innerhalb einer Periode:
| Atom | Li | Be | B | C | N | O | F | Ne |
| 1.30 | 1.95 | 2.60 | 3.25 | 3.90 | 4.55 | 5.20 | 5.85 |
Vergleich der Elektronenaffinitäten von Atomen und Molekülen:
| EA(S) = 200 kJ mol |
EA(F) = 327 kJ mol |
| aber | |
| EA( |
EA( |
Moleküle können also eine grössere Elektronenaffinität haben als Atome!
Ebensowie beim Atom gibt es auch bei Molekülen Schalenaufbauten
mit ``magischen'' Atom- bzw. Ligandenzahlen (besonders in der
Clusterchemie beobachtet).
Die Tendenz ist immer, eine Schale möglichst
zu füllen.
Koordinationslücken wirken immer als Akzeptoren (Elektronen oder
Liganden)
Lewissäuren:
Hydrierung von R-X-Bindungen (X=Hal):
| C-X |
|
C-H |
| Si-X |
|
Si-H |
| Ge-X |
|
Ge-H |
| Sn-X |
|
Sn-H |
Alkylierung der Hydride der Tetralide (C, Si, Ge, Sn,):
| Ph |
+ | LiR |
|
LiCPh |
+ | RH |
| Ph |
+ | LiR |
|
RSiPh |
+ | LiH |
| Ph |
+ | LiR |
|
LiGePh |
+ | RH |
| Ph |
+ | LiR |
|
RSnPh |
+ | LiH |
Bei den Halogeniden der Pnictide
gibt es zwar
und
aber kein
.
Das Pentafluorid
ist eine äusserst starke Lewissäure und ein
Oxidationsmittel:
Dioxygenyl-hexafluoro-arsenat
Es gibt zwar
und
aber kein
und die
Bindungsenergien für
und
haben ein
Minimum bei
: -325, - 284, -329 kJmol
.
| Der Grund für alle diese Unregelmässigkeiten liegt darin, dass in der vierten Periode die d-Elemente (3d) zum ersten mal eingeschoben werden. Die von ihnen aufgebrachten Abschirmbeiträge sind noch relativ klein. |